Danke , Fritz !

wpid-p_20150624_141827.jpgMein erster Kontakt mit dem Theremin war vor Jahren in Berlin, als ich dort in einer Ausstellung ein Ätherophon sehen und antesten durfte. Später dann geriet ich wieder in Kontakt mit diesem Instrument als ich lernte die singende Säge zu spielen; haben beide Instrumente doch sehr viele Paralellen: bundloses Spiel, tolle Glissandos und enorm schwierig zu bedienen. Auf meiner Suche nach einer prägnanten Leadstimme in meinem elektronischen Instrumentarium stieß ich vor Wochen wieder auf dieses Instrument. Mein Anspruch waren gering, das Budget auch und so landete ich bei Golem Instruments. Nahe Bielefeld schraubt Fritz Soll in seinem Ein-Mann-Betrieb, der neben allerlei techn. Messgerät auch noch elektronische Musinstrumente baut, an der Entwicklung der verschiedensten Theremin-Modelle.
Verschiedene Foren warnten eindringlich vor dem Kauf eines Instruments aus der Golem-Schmiede, ungeachtet dessen erwarb ich das kleinste Modell für >0,1k€: das Poseidon 4.
Das Gerät verfügt über 2 Potis und 1 Mehrfachschalter, eine steckbare Antenne, einem Line-Out, Netzbuchse mit passendem Adapter(PS: Innenpol spreizen, dann gibts weniger Wackelkontakte) und 2 Minitrimmern zum Stimmen.
Das linke Poti regelt den Pitch der spielbaren Skala, so lässt sich der nächste Punkt zur Antenne auf einen Ton stimmen. Das mittlere Poti regelt die Antennenempfindlichkeit und mit dem rechten Wahlschalter lassen sich bis zu 4 Oktaven hinzuschalten. Je nach Aufstellungsort muss das Theremin eingestellt werden, da alle Gegenstände, vorallendingen welche aus Metall, einen hörbaren Einfluss auf den Pitch haben.
In verschiedenen Foren las ich Beiträge von Thereministen die das Poseidon4 als unspielbar rezensierten, unter anderem weil die TonSkala sich nicht ordentlich einstellen ließ. Ich habe es ausgemessen: Mit ein wenig Geduld lassen sich 4 Töne mit gleichem Abstand einstellen, in einer logaryhtmischen Skala . Wenn mit dem Wahlschalter +1 oder +2 Oktaven hinzugewählt werden dann verschiebt sich die Skala entsprechend. Da selbst teure Geräte keine lineare Skala produzieren, kann man diesen Makel vernachlässigen – der Thereminist spielt das Instrument und nicht umgekehrt.

Einzig, der sinusartige Ton nervte mich von Anfang an. Das attack-arme Piepen hat wenig mit den Stimmen eines teuren Geräts gemein- ich prozessiere den Ton zur Zeit mit meinem AudioZerhacker.

Der pfiffige Gedanke mittels eines Guitar2Midi-Konverter (von Sonuus) einen Synth anzusprechen war verheissungsvoll, erwies sich aber als Quatsch. Der G2M produzierte zwar Midinoten, seltsamerweise aber immer nur den gleichen und auch das Einschalten der chromatischen Skala auf dem Gerät  brachte keinen Erfolg. Schade.

Aufgeschraubt & Verbessert
Im Innern des Gerät ist herrscht Ordnung und Sauberkeit. Diverse ICs verrichten auf einer handbestückten Platine in einem Euro-Gehäuse ihren Dienst. Eine Verbesserung, welche die fehlende Lautstärkensteuerung kompensieren sollte musste ich wieder ausbauen, da das Theremin danach nicht mehr spielen wollte- die Schaltung in dem ungeschirmten Gehäuse ist ziemlich empfänglich für Störfelder. Zukünftig werde ich das Gehäuse von innen abschirmen, evtl. verbessert sich dann die Spielbarkeit. Eine andere Volumensteuerung ist zur Zeit noch in der Planung.  bereits als externes Gerät gebaut worden, ein eingebauter Clip-On-Tuner hilft ab nun den richtigen Ton zutreffen. Ich vermute : Poseidon 4 benötigt noch viel Zeit und Hingabe bis zur endgültigen Fassung. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Fazit
Ich finde, dass das Poseidon 4 von Golem Instruments kein zu teuerer Effekt ist. Das Instrument ist  spielbar, für meine Zwecke absolut befriedigend; die Solierung eines klassischen Stücks dürfte aber erst nach Jahrelangen Training gelingen. Der Sound des Theremins ist dürftig, irgendwie piepsig – eine ordinäre Gitarrenzerre kann den Sound aber anfetten. Die einstellbaren Parameter sind in diesem Preissegment super. Die fehlende Volumensteuerung behindert ein akzentuiertes Spiel- das muss noch nachgerüstet werden. Zusätzlich möchte ich den Enthusiasmus des Herstellers hervorheben, der ohne eine richtige Nachfrage Instrumente händisch zusammenlötet und unter der möglichen Preisgrenze vertreibt- vielleicht für den Einen mit zu vielen Einschränkungen: Ich find`s im Sinne von CircuitBending trotzdem OK.  Danke, Fritz!