Schall, Platte und der Wille zur Gestaltung!

Seit einigen Wochen experimentiere ich mit einem DUAL P70 herum und versuche herauszufinden was ausser Schratching und Looping sonst noch so möglich ist. Vermutlich bin ich nicht der erste der sowas ausprobiert aber externe Erfahrungen sind ja bekanntlich für das eigene Lernen oft unnütz.
Um technisch auf dem Stand der Dinge zu sein habe ich dem P70 erstmal einen Mono-Chinch ausgang spendiert. Die Nadel tastet zwar Stereo ab – der Verstärker machts aber nur Mono. Für meine Versuche soll das zuerst reichen.
p70Dann habe ich mit Hilfe meiner Töpferscheibe einen Satz Schallplatten vorbereitet.
Die ersten drei Versuche habe ich mit abgeschliffenen Schallplatten (40er Körnung) gemacht.
Platte Eins war gleichmäßig abgeschliffen und erzeugte nur ein Rauschen und Kratzen. Platte Zwei war von Aussen nach Innen in Abstufungen abgescheuert und produzierte den gleichen Sound mit zunehmenden Audiofetzen der Orginalrille. Platte Drei war zusätzlich zum Abrieb mit tiefen Rillen versehen und erzeugte Sounds a la Zahnarztbohrer.
Platte Vier war ungescheuert mit radialen Schnitten versehen und erzeugte lustige Sprünge in der Orginalrille – Chaossampling. Das war schon eher nach meinem Geschmack, allerdings zu aleatorisch.
Platte Fünf war mit einer Beschichtung aus Silikon versehen: Naja, nicht besonders Gehörfreundlich! Außerdem hatte ich Angst dass mir die Nadel abreisst.

 

Im Großen und Ganzen waren meine Versuche also interessant aber erfolglos was die Suche nach neuen Sounds angeht. Da ich die Arbeit von Claus van Bebber schon kenne (gelegentlich treffen wir aufeinander) habe ich von der Manipulation des Tonarms abgesehen;  die Bearbeitung von Loops mache ich mit anderem Werkzeug.

Ein weiteres Versuchfeld war das Experiment mit Festplatten. Inspiriert von Gieskes öffnete ich mehrere Festplatten und vermehrte mein Wissen über die Möglichkeiten von Circuit Bending. Ich war erstaunt wie robust so eine Festplatte sein kann.  Bei meiner Suche stolperte ich über DIY HDD-Lautsprecher – witzige Sache, allerdings zur Zeit noch ohne Nutzen für mich. Am Ende nahm ich mit meiner Telefonspule noch die Anlaufgeräusche und Lesebewegungen der Festplatte auf und dann war dieses Thema erstmal für mich erschöpft.

Der letzte und finale Schritt ging in Richtung Floppylaufwerke. Das Internet ist voll mit Liedern welche von gesteuerten Floppy-Laufwerken abgespielt werden. In Ermangelung eines solchen und außerdem weil es alle machen habe ich mich damit begnügt den Sound eines Floppys aus einem Video auszuschneiden und per MPC500 in eine Tonleiter zu samplen. Ja, das ist brauchbar.

Ob es wegen der INTERACTIVE -CD nicht gefunzt hat? Wer weiss? (Sorry, Markus!)
Ob es wegen der INTERACTIVE -CD nicht gefunzt hat? Wer weiss? (Sorry, Markus!)

Bis auf die erfolgreiche Manipulation eines CD-Laufwerks dürfte ich alle wesentlichen Platten-Spieler abgehandelt haben. Vor zwei Jahren bin ich dieses Thema schon einmal angegangen- hab dabei aber nur die Buffer der CD-Spieler frittiert. Außerdem ist es ziemlich schwer einen CD-Spieler zu finden der NICHT mit SMD-Technik verseucht ist und aufgrund seines Alters noch funktioniert.
Aber ich bleibe dran: Für die Kunst – für das Geräusch – für den Geist in der Maschine!