Patchblocks !

Ein Bollwerk gegen jedes verdammte Preset!
Es war mal wieder typisch. Ein pfiffiger junger Mensch hat eine tolle Idee, mobilisiert tausende Gleichgesinnte per Crowdfunding und die tolle Idee wird Realität. Das Ganze ist mehr als zwei Jahre her und ich bekomme die Sache erst jetzt mit. Die Rede ist von den Patchblocks: Programmierbare Elemente mit zwei Potis und zwei beleuchteten Tastern die musikalisch erstmal alles sein können. Ein Instrument, ein Effekt, ein Kontrollspannungswandler (Hallo Syncman), ein Mididatenwandler, und und und   -man muss nur die Software verstehen. Die Patchblocks haben eine Menge Nerdpotential und ich als Kabelschrat bin sofort aufmerksam. Das klingt nach einer musikalischen eierlegenden Wollmilchsau. Und wenn ich auch das Analoge liebe – Das muss ich ausprobieren!

Tag -2: Das Ding ist bestellt und auf dem Weg. Ich lade mir schonmal den Editor auf den PC und probiere per Emulator ein paar Patches aus. Die Software scheint einfach zu bedienen und erinnert ein wenig an Visual Basic- klaro , es wird ja „programmiert“ – aber auf LEGO-Niveau.

Tag -1: Durch das Studium fremder Patches und den Tutorials erschliesst sich mir die Funktion einiger Programmelemente. Warum kann ich mich nicht per Programmschnittstelle in der Community einloggen, auf der Website geht das doch auch?

PatchblockTag 0: So, das Paket ist da. Big T ist einfach der schnellste! Hübsche Verpackung. Anbei liegt zweierlei Kabel. An den PC anschliessen und fremde Patches austesten. Seltsam- manchmal will die Software „Blocks“ nachladen, aber das funktioniert leider nicht. Ich google die Blocks, lade sie runter und kopiere sie händisch in den richtigen Ordner. Ahh, jetzt geht das. Ich bleibe bei einer Drone die auf A dröhnt. Kompilieren und rauf aufs Gerät: Klingt gut. Spontan entschliesse ich mich eine kurze Session aufzunehmen. Ja, das hat Potential.

Tag 1: Gibts denn da kein MIDI-In? Ahh, im Inet gibt es eine Anleitung. Was brauche ich…Midibuchse und 2 150Ohm Widerstände?…Mist , hab ich nicht UND: für sowas benutze ich besser eine Schaltung mit Optokopplern.

Tag 8: Ich hatte in der letzten Woche echt viel zu tun und bisher keine Zeit für den Patchblock. Oha, es gibt eine neue Version des Editors. Hmm, das Einloggen klappt immer noch nicht. Verbesserungen sind bisher nicht spürbar. Was nervt: Der PB muss, damit der PC ihn als USB-Device erkennt, immer ausgeschaltet angeschlossen , dann eingeschaltet werden und letztendlich muss noch der USB-Stecker raus und reingesteckt werden. Später habe ich dann herausgefunden das dies die Standartprozedur ist. Es gibt sogar ein offizielles Video dazu.

Ich probiere eine Handvoll Patches aus der Community aus. Die Mehrzahl davon funzt nicht da ständig irgendwelche „Blöcke“ nachgeladen werden müssen.  Ich kapier das Konzept noch nicht ganz. Schliesslich habe ich alle „Blocks“ von der Website händisch heruntergeladen und in den entsprechenden Ordner kopiert. Das verhindert in der Software zwar keine Warnungen aber erhöht die Chance daß der Patch auch funktioniert.
Ich verändere vorhandene Patches. Wabernde Dronen kann ich mittlerweile ganz gut herstellen. Ich brauche einen Midi-Block.

Patchblock und MidiBlock

Tag 14: Der Midi-Block ist da. Das Ding steckt auch in einer hübschen Verpackung -schnell ausgepackt. Eine Anleitung ist nicht dabei. Aber auf der Verpackung gibt es hilfreiche Hinweise zum Anschluss dieser Perepherie. An der Rückseite des Blocks gibt es einen Wahlschalter für In- oder Out-Modus. Stecker aufstöpseln und antesten. Es funktioniert. Toll, dass das so einfach geht.  Lediglich beim Abziehen des Midi-Steckers mache ich mir Sorgen, denn der Stecker sitzt schon sehr stramm auf dem Gerät. Ich teste einige fertige Midi-Patches aus der Community aus.
Ich bleibe bei dem MIDI-Synth aus den Tutorials und versuche die Knöpfe an meiner Keytar bestimmten Funktionen zu zuordnen. Es gelingt mir ein Delay auf das Pitchbend zu legen.
Per Sequenzer verschluckt der Patchblock ein paar Noten ,hängt oder der Sound reisst ab. Trotzdem: der Patchblock fängt an Spaß zu machen.screen_prg

 

Die Software:
Die Software funktioniert, ist aber teilweise unausgereift.Zum Beispiel lässt sich die Arbeit mit den Fenstern nicht dauerhaft personalisieren. Ich arbeite mit einem zweiten Monitor und wenn ich Console und Hilfekontext im Zweitschirm anordne bleibt dies nach einem Programmneustart nicht so. Zusätzlich ist die Schnittstelle zur Community infunktional- Einloggen geht aus der Software heraus nicht. Die Warnmeldungen in einem separaten Fenster nerven- diese verschwinden seit dem Softwareupdate irgendwo, sind aber in der Taskleiste zu sehen. Erst wenn diese Warnmeldung weggeklickt wurde kann man weiterarbeiten. Sowas kann auch im Console-Fenster erledigt werden.

Die Hardware:
Der Patchblock wirkt trotz der offenen Bauform stabil und wertig. Meine Variante in Acrylicblau wirkt mit der weissen Platine und den blauen LEDs edel. Die Potis sitzen stramm, lediglich die Endkappen für die Taster rappeln ein bisschen im Gehäuse. Der MIDI-Block ist eher funktional denn schön gestaltet. Die Verbindung über den seitlichen Steckverbinder gestaltet sich zuverlässig obwohl die beiden Elemente nicht schlüssig aneinanderpassen. Der MIDI-Stecker auf der Platine sitzt, nach meinem Geschmack, viel zu stramm. Da sollte man nicht oft den Stecker wechseln. Ich hab mein MIDI-Kabel einfach daraufgelassen.

Der Sound:
Der Patchblock klingt erstmal so gut wie er programmiert wurde. Trotzdem kann er seine digitale Herkunft nicht verschleiern. Bei meinen Patches hörte ich stets Artefakte ,Hintergrundgeräusche oder Reste von fehlgeleiteten Frequenzen- alles sehr im Sinne von Circuit Bending. Überraschend, manchmal unzuverlässig und je nach Wunsch auch übersteuert. Toll!

Fazit:

Was soll ich sagen? Das Ding hat Ecken und Kanten! Die Patchblocks sind keine Instrumente um mal eben Musik zu machen. Es bedarf vieler Informationen und die nötige Neugier um sich mit der Software und den ganzen kleinen Problemchen  zurecht zu finden. Dokumentationen gibt es zuhauf auf der Website patchblocks.com und im hauseigenen Wiki. Die Software ist funktional, aber noch ein wenig buggy.
Wenn man alle  (und die bisher unentdeckten) Ecken und Kanten kennengelernt hat wird man den Patchblock lieben lernen.
Die Anzahl der Knöpfe ist limitiert, sowas könnte mit einem 4 x4 Pad-Block gelöst werden, auch einen SD-Leser-Block kann ich mir vorstellen. Letztendlich hat man mit dem MIDI-Block zugriff per MIDI-Befehl auf jede Menge Knöpfe, z.B. in Form eines Keyboards oder MIDI-Controllers.
Für 60Eur (Patchblock)  habe ich jetzt ein Instrument welches keines ist. Samples und Pattern abfahren macht eine kleine Kiste noch nicht zu einem Instrument- dazu kann sich der Instrumentalist an zu wenig Bedienelementen ausdrücken. Virtuosität wird auch in der Anzahl der beherrschbaren Parameter ausgedrückt- dessen sind es beim Patchblock nur vier. Als individueller programmierbarer Effekt funktioniert das in dieser Form schon besser: Eingang, Ausgang, vier Parameter, die meisten Effektpedale laufen genau so.

Plus 40Eur (Midiblock) habe ich die Möglichkeit meiner Virtuosität in Form eines Midikeyboards/Controllers Ausdruck zu geben. So macht der Patchblock für mich erst Sinn. Somit spielen wir preislich in der Liga eines Ploytec PL2, Meblib oder eines Volcas. Der Vergleich ist schwierig denn irgendetwas ist trotzdem anders.

Das Alleinstellungsmerkmal des Patchblocks ist der unglaublich starke Aufforderungscharakter etwas mit diesem Stückchen batteriebetriebener Platine zu machen. Etwas Einzigartiges, etwas Künstlerisches. Ein Sound der von der eigenen programmierten Kreativität gespeist wird. Ein Bollwerk gegen jedes verdammte Preset.
Und somit kann ich den Bogen zurückschlagen: Der Umgang mit dem Patchblock, der komplette Prozess von Programmerstellung und Wirkungsüberprüfung macht dieses Ding zur Kunst. Der Patchblock kann ein Instrument sein- er kann aber auch, innerhalb seines wirkenden Codes, Kunst sein- und DAS ist etwas was nicht viele elektronische Geräte geschafft haben.