DIY MPC

Trigger Finger ProIch habe dem Verkauf meiner MPC500 mit einem weinenden und einem lachenden Auge zugesehen. Auch wenn ich meilenweit von guten Fingerdrumming entfernt bin, fand ich die Pad-Anordnung der MPC immer gut. Selbst das spielen von Akkorden war mit dieser Klaviatur möglich.Die 12Levels-Funktion fand ich intuitiv und praktisch. In anderen Bereichen ließ die MPC500 Funktionen vermissen, welche bei anderen Instrumenten besser funktionieren. Die Aufnahme gestaltete sich schwierig, da war höchste Präzision gefragt. Die unübersichtliche Schichtung der Aufnahmeebenen war auf dem kleinen Display äusserst lästig.  Kurz und gut- das Ding verschwand in der Bucht- und jetzt vermisse ich was. Durch Zufall stiess ich auf einen Pad-Controller für DAW´s der MPC-ähnlich daherkommt und auch ein physisches Midi-Out hat:Der Trigger Finger Pro von M-Audio. Vor rund 2 Jahren wurde dieses Gerät auf den Musikmessen vorgestellt und nun scheint es einen Abverkauf zu geben, da softwareseitig das Gerätebundle große Lücken hinterliässt. Das Internet ist voll mit Beschwerden über den nur schwer nachzuladenen Content. So kann`s gehen wenn man das Geld für 2 Daten-DVDs sparen will. Aktuell ist der Controller für 130Eur zu haben; ich habe ein Gebrauchtgerät etwas günstiger in der Bucht ersteigert. Mal sehen ob ich ohne Computer mit diesem Ding musizieren kann.

Äußerlich kommt der TFP sehr solide daher: Alu-Finish, Thickpads , alles sitzt ordentlich und wackelfrei. Das gefällt- ein Pluspunkt.
Das große Volltext-Display erleichtert die Arbeit ungemein – ein Pluspunkt.
Der Workflow am Gerät funktioniert folgendermaßen: Es gibt 4 Pad-Ebenen welche jeweils 16 Pads haben. Für jedes Pad steht eine Sequenzer-Reihe mit 16 Steps und maximal 4 Bars zur Verfügung. Jedes Pad kann einzeln konfiguriert werden mit den Parametern : Midinote, Anschlagsdynamik, Aftertouch, Padfarbe bei An/Aus, Midikanal und Ausgang per Midi oder USB.
Je nach Organisation des eigenen Setups kann so ein ganz individuelles Layout gebaut werden: ein dicker Pluspunkt, denn schliesslich eignet sich durch dieses Feature der TFP auch für Musiker die kein DAW verwenden wollen. Alles was ein Midi-Out hat kann vom Triggerfinger bespielt werden!

IMG_20160418_193949Wer jetzt ein Liedchen zusammenschrauben will kann einerseits für jedes Pad die Notentrigger auf dem Sequenzer setzen oder per Aufnahme-Button etwas auf den Pads spielen. Hier kommt zum Vorschein dass dieser Controller ein Beat-Controller ist: Anschläge werden nur pro Anschlag registriert. Langanhaltende Töne werden nicht gespeichert- diese muss man händische per TIE-Funktion in den einzelnen Sequenzerspuren verbinden.  Wer seine Komposition speichern will kann dies auf 16 Speicherplätzen tun, es stehen 16 Plätze für Sequenzer und  16 Plätze für Globale Einstellungen zu Verfügung. Wer jetzt für einen Song 3 Teile zusammenbaut kann also 5 Songs abspeichern. Das reicht gerade für einen kleinen Auftritt.
Der Triggerfinger Pro kann die MPC nicht ersetzen wenn man keinen Sampler hat. Mit einem Sampler allerdings kann ich , analog zur MPC, Samples auf Pads zuweisen , abfeuern und aufnehmen.  Die Quantisierungsfunktion der MPC fehlt- das ist Präzision gefragt. Im Unterschied zur MPC gibt es keine 12Level-Funktion, denn es handelt sich ja nur um einen Controller. Effekte fehlen genauso, aber die Controllerfunktion lässt externe Geräte via Midi kontrollieren. Ich benutze als Sampler einen Akai MPX8 der dummerweise kaum MIDI-Anbindung bietet. Vielleicht bietet da die Zukunft die ein oder andere Gelegenheit? Warten wir es ab.
Im Großen und Ganzen hat mich der Triggerfinger-Pro so überzeugt (Volltextdisplay, 99%Midi-Fähig) das ich den Arturia Beatstep wieder in die Bucht geschickt habe- diesmal ohne schlechtes Gewissen.